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VIGLis Ehrenfeld-Block

Ich bin zugezogen. Von Bochum Stahlhausen ins Bochumer Ehrenfeld. Zwischen meiner alten und meiner neuen Adresse liegen 3,1 km, das ist nicht viel. Trotzdem hat sich mein Blickwinkel auf die Stadt sehr verändert. Nach 25 Jahren im Pott (vorher Berlin und München) waren manche Wege doch schon zur Routine geworden. Durch den Umzug betrachtete ich alles neu, die täglichen Wege waren andere. Meine Entdeckungen und Beobachtungen im Viertel Ehrenfeld innerhalb der ersten zwei Jahre nach dem Umzug, habe ich auf diesem virtuelllen Notizblock dokumentiert.

25.Oktober 2014. Ein Geheimtipp, der wahrscheinlich nicht besonders geheim ist, ist der Gemüseladen an der Wasserstraße. Obwohl diese Straßenecke weder im Zentrum von Bochum allgemein noch vom Ehrenfeld im Besonderen liegt, ist Alfreds Laden immer gut besucht. Die Gemüseauswahl ist super und alles immer von bester Qualität. Aber auch für das Schleckermaul gibt es dort einige Köstlichkeiten, zum Beispiel belgische Pralinen, Kekse oder meine Favoriten, die Mandelhaufen mit Schokoglasur.

Alfred Leckerei

Von Alfred habe ich auch gelernt, wo die Grenze des Ehrenfelds verläuft: Mitten auf der Wasserstraße. Alfred gehört noch ins Ehrenfeld und die gegenüber müssen schon woanders wählen, weiß Alfred zu erzählen. Aber einkaufen dürfen sie ja zum Glück trotzdem bei ihm.

http://www.alfred-bochum.de

Dazu gehört auch noch ein Blumenladen, der die herrlichen Skulpturen von Olaf Kuhoff beherbergt. Beton kann wirklich lebendig ausssehen!

 

30. September 2014. Das Wiesental ist ein Park zwischen Friederika- und Wasserstraße, der das grüne Herz des Ehrenfelds darstellt.

Wiesentalweg1

Aus den umliegenden Firmen und Krankenhäusern suchen viele Mitarbeiter in der Mittagspause dort Erholung und wandern eine Runde um Wiese und Teich. Auch Tischtennisplatten stehen zur Verfügung. Abends drehen dort auch Läufer gerne ihre Runden. Zu meinem 50ten Geburtstag bin ich die 2-km-Runde 25 Mal gelaufen, in Begleitung etlicher Geburtstagsgäste. Wiesentalweg2

Nicht erst seit diesem Tag, ist mir der Park ans Herz gewachsen. Der diesjährige Pfingststurm hat dort leider auch sehr gewütet, aber viele von den stattlichen Bäumen waren zum Glück stark genug, um den Böen zu trotzen.

24. Oktober 2014. Es gibt im Ehrenfeld ziemlich viele Gelegenheiten, sich satt zu essen. Das hatte ich auch schon beobachtet, als ich noch nicht dort gewohnt habe. Da ließe sich wahrscheinlich ein eigener kulinarischer Ehrenfeld-Führer daraus entwickeln. Selbst das tägliche Brot könnte ich bei vier verschiedenen Bäckern kaufen, die alle nur einen Katzensprung entfernt sind. Meine Lieblingsbrötchen gibt es allerdings bei Bäumer an der Wasserstraße. Das Angebot dort ist so groß, dass ich immer noch nicht alle Sorten probiert habe. Besonders schmackhaft finde ich das körnige Ehrenfelder Brötchen und den Schweizer Knoten.

Bäumer Brot

Kuchen, Kaffee, Zeitung und ein paar Sitzplätze gibt es dort auch und sonntags steht die Kundenschlange bis auf die Straße, was aber nichts macht, weil das alles nette Menschen sind mit denen es sich gut plaudern lässt. Letztens war eine Frau mit plattem Autoreifen vorgefahren, die wurde gleich von mehreren Personen auf ihr Malheur aufmerksam gemacht und mit guten Ratschlägen für den Heimweg bedacht.

 

26. September 2014. Schräg gegenüber vom Bochumer Schauspielhaus, in der Oskar-Hofmannstr.19 gibt es seit gut einem Jahr eine Teestation, die weit mehr ist als ein Teeladen.

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Filialleiterin Marianne Weber empfängt jeden Kunden persönlich und bietet auf kleinem Raum viele Möglichkeiten. Wochentags von 12 bis 18 Uhr (samstags 11 bis 16 Uhr) darf bei ihr Tee (und Kaffee!) getrunken werden und dazu gibt es einen bunten Büchertisch, der zum Schmökern und Tauschen einlädt.

Meine Bücher sind jetzt dort auch käuflich zu erwerben und gerne möchte ich in dem wohl duftenden Laden gelegentlich eine Lesung veranstalten.

Nebst zahlreichen Teesorten gibt es auch Honig aus regionalem Anbau, Senf und andere pikante Dinge für den Gaumen. Einfach Mal vorbei schauen und kosten!

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16. Oktober 2014. Im Bochumer Ehrenfeld gibt es zwar viel zu entdecken, aber vieles verschwindet auch mehr oder weniger schnell wieder von der Bildfläche, so wie in anderen Stadtvierteln auch. Zum Beispiel hat sich das Baristoteles vom Ehrenberg-Platz verabschiedet und serviert seinen leckeren Kaffee jetzt ausschließlich an der Königsallee. Aber auch der bunte Laden mit Taschen, Schmuck anderen Unikaten hat seinen Standort geändert (jetzt Markstraße).

Leerstand1

Auch der Backtreff hatte anscheinend angesichts der vielen Bäcker umher kein Auskommen mehr.

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Aber ich hoffe, diese Räume werden im Ehrenfeld nicht lange leer stehen. Meistens dauert es nicht lange und jemand öffnet seine Pforten mit einer neuen Idee. Dann haben wir wieder etwas neues zu bestaunen in unserem wandlungsfähigen Viertel.

20. September 2014. Die Alsenstraße ist innerhalb des Ehrenfelds schon wieder ein eigenes Revier mit einem eigenen Verein, dem Alsenwohnzimmer e.V. und eigener Internetseite. Kürzlich habe ich mich angesichts des Alsenstraßenfests dort umgesehen. Von Flohmarkt über Kugelpudel-Eis gab es einiges zu sehen. Auffallend finde ich die vielen guten ökologischen Ideen, die aus der Straße stammen. Zum Beispiel gibt es ein Repair-Cafe, das Anleitung zur Selbsthilfe bei defekten Geräten geben soll.

Die Blüte der Ideen gipfelt sogar in einem Alsenstraßengarten. Mit zahlreichen Hochbeeten haben Freiwillige begonnen einen Hinterhof zu begrünen. Da gedeihen Colakraut und Tomaten ebenso wie gute Gespräche. Weitere Menschen, die Lust haben zu säen und zu ernten, sind immer willkommen!

Igelschutz

Der Arbeitskreis Umweltschutz (AkU) Bochum hat sein Zentrum auch in der Alsenstraße und war mit einem Stand auf dem Fest vertreten. Ein paar Stunden habe ich dort den Standdienst übernommen und über die Schwerpunkte unserer Arbeit – Fledermaus- und Igelschutz – informiert. Besonders gefallen hat mir der kleine Junge, der mich gefragt hat, wieso Igel eigentlich nachts aktiv sind. Er meinte, bei Polizisten könnte er das besser verstehen, die müssten schließlich nachts die Einbrecher jagen.

12. Oktober 2014. Das Bochumer Ehrenfeld hat eine lange Geschichte und die Bochumer Dirk Ernesti und Dr. Dietmar Bleidick arbeiten kontinuierlich und professionell daran, die Erinnerungen wach zu halten. Besonders spannend finde ich immer wieder alte Postkarten, die die Hompage-Betreiber entdecken und der neuen Bebauung gegenüber stellen.

http://www.historisches-ehrenfeld.de

Dadurch konnte ich auch festellen, dass mein Wohnhaus ungefähr von 1913 ist und trotz einiger baulicher Änderungen und Renovierungsarbeiten, seinen Charme der Vergangenheit behalten hat. Früher war das Ehrenfeld eine weitgehend unerschlossene Wald- und Wiesenlandschaft mit wenigen Häusern, die zunächst als "kleine Tocke" bezeichnet wurde, erst 1870 enstand der Name "Ehrenfeld". Der Bauunternehmer Clemens Erlemann war in dieser anfänglichen Zeit sehr für die Gestaltung und Entwicklung des Ehrenfelds verantwortlich.

13. September 2014. Ich wohne im Ehrenfeld, nicht etwa „in“ Ehrenfeld. Denn es gibt hier zwar einen S-Bahnhof, zwei Kirchen, fünf Schulen und ein Krankenhaus, aber trotzdem ist das Ehrenfeld kein Stadtteil sondern nur ein Viertel. Es liegt im Norden des Bochumer Stadtteils Wiemelhausen und schließt direkt an die südliche Innenstadt an. Wo die genauen Ehrenfeld-Grenzen liegen, konnte ich noch nicht ermitteln. In jedem Fall war das Viertel bis ins neunzehnte Jahrhundert eine kaum erschlossene Wald- und Wiesenlandschaft, vielleicht war auch ein bisschen Feld dabei. Manche nennen das Ehrenfeld übrigens auch das „Viertel vor“, weil es vor dem Schauspielhaus und vor dem Bermudadreieck liegt. Eine einzige Ouvertüre sozusagen und trotzdem mittendrin.

3. Oktober 2014. In den schönen kleinen Wiesental-Park eingebettet, liegt das Schwimmbad vom Verein Blau-Weiß Bochum.

Das Bad

Eine 50-Meter-Bahn lockt zum Schwimmen, auf der Wiese ist Platz zum Sitzen und der kleine Kiosk bietet von Pommes bis Cappuccino alles, was das Schwimmerherz begehrt. Im Sommer verbringe ich regelmäßig meine Mittagspause dort, genieße es, barfuß über das Gras zu stapfen und meine Bahnen im 50-Meter-Becken zu ziehen. Außerdem treffe ich natürlich auch oft Bekannte für einen Plausch. Das Bad ist eigentlich nur für Mitglieder, aber abends zwischen 19 und 20 Uhr können auch Nicht-Mitglieder gegen Eintrittsgebühr die Bahn benutzen. Wer nicht aus Bochum stammt und das per Ausweis bestätigen kann, darf sich auch zu anderen Zeiten in die Fluten stürzen. Wer also Besuch hat, darf ihn ruhig mitbringen.

Seit 2013 gibt es nur noch eine kurze Herbst- und Frühjahrspause im Schwimmbetrieb. Im Winter wird ein Hallendach aufgebaut, so dass dem Schwimmtraining nichts mehr im Wege steht. Ganz so schön wie unter freiem Himmel finde ich das aber nicht. Der letzte Badetag ohne Dach war in diesem Jahr der 30.9., wehmütig habe ich mich an diesem sonnigen Tag vom Sommerbad verabschiedet.

7. September 2014. Auf meinen Trainingsrunden treffe ich schon den ein oder anderen Läufer. Aber an der Königsallee scheinen nicht gerade viele Sportbegeisterte zu wohnen. Am 6. September war Halbmarathon und die Königsallee gehörte den Läufern. Ich war als Fan mit meiner Trommel dabei, ansonsten stand da kaum jemand am Rand. Das war also keine gute Gelegenheit, um meine Nachbarn kennen zu lernen. Spaß gemacht hat es aber auch so. Von mir aus kann die Königsallee öfter gesperrt werden!VIGLi Trommel HM