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Tausend treffen sich im Tal

Tausend treffen sich im Tal

Armmuskel-Training klingt nicht so sexy. Durstigen Menschen Wasserbecher reichen ist dagegen inspirierend. Die leuchtenden Augen sehen, das Lächeln nach der Erfrischung. Also: Arm ausstrecken, Becher halten, Glück verteilen. Und anschließend den Muskelkater genießen. Eine andere Übung ist das Klatschen. Um neun Uhr ging es los, vibrierte über den Tag bis zum fulminanten Schluss-Applaus für die letzte Athletin. Wir feiern sie alle bis die Hände glühen und die Stimmbänder versagen, die Schnellen, die Langsamen, die Erfahrenen, die Neulinge. Wer sich traut, ist ein Held.

Schwimmen, radeln, laufen. Triathlon im Bochumer Wiesental ist ein besonderes Erlebnis. Nicht nur für die AthletInnen, sondern auch für alle am Streckenrand. Für meine Lieblings-Schlümpfe (SV Blau-Weiß Bochum) heißt das monatelanges Planen und Organisieren. Was können wir besser machen als letztes Mal? Wer mäht den Rasen? Wer kann Kuchen backen? Woher bekommen wir die Radständer? Am 12.7.2026 war es wieder soweit, es wurde ernst.

Tausend Teilnehmende strömten in den Park, brachten ihre Fahrräder und ihre Fans mit. Kinder, Eltern, Liga, Ersttäter. Der Park war nicht wiederzuerkennen, was manchen erzürnte, aber die meisten erfreute. Überall Absperrgitter, bunte Pfeile, rot-weißes Flatterband und allenthalben Streckenposten. Vielleicht wäre Streckenverteidiger der bessere Begriff, denn es muss sicher gestellt werden, dass die Sportlichen den richtigen Abzweig erwischen und ihnen weder Hund noch Dreirad vor die Füße kullert.

„Was ist denn hier los? Ich gehe doch immer da lang!“ Tja, dieser Sonntag war ein Nicht-immer-Tag. Und dann die Sonne. Erbarmungslos kochte sie die brodelnde Menge. Aber auch dafür hatten wir ein Rezept: Es gab Wasserschläuche und Helfer, die nicht müde wurden die Schwitzenden mit Schwämmen zu baden bis ihnen das Wasser aus den Zähnen tropfte.

Ich gehörte zur Helfers-Helfer-Crew, sollte mich also um das Wohl der Streckenposten kümmern. Die müssen um 7 Uhr ihren Platz beziehen und haben bis zum Abend keinen größeren Radius als eine Straßenkreuzung. So eine Art Knast-Mannschaft, nur dass sich alle freiwillig gemeldet haben. Wer will schon sonntags um die Welt reisen, ist doch viel spannender Mal die Nachbarn kennenzulernen. Und zu prüfen, wie sie reagieren, wenn sie nicht mit dem Auto zum Bäcker fahren dürfen. Wir hatten die Anweisung immer freundlich und bestimmt zu reagieren. So viele Brötchen sind doch gar nicht gesund und sie wollen doch auch kein Fahrrad auf der Kühlerhaube, na also.

Es soll aber diesmal sogar schon Anwohner gegeben haben, die Kaffee angeboten haben. Ich hatte Kühlaggregate in die Satteltaschen gepackt und konnte mit kühler Cola und Apfelschorle punkten. Auch Sonderwünsche habe ich entgegen genommen. Lakritze, Gummibärchen, Weintrauben. Nur das Sushi habe ich verweigert.

Abends musste dann alles wieder eingesammelt werden. Markierungen, Wassereimer, Schwämme, Becher. Zelte einklappen, Kartons falten. Die letzten Bratwürste und Kuchenstücke vernichtete die Helfer-Crew zum Abschluss gemeinsam. Dabei wurden nebenher Yoga-Retreats geplant, Pippi-Boxen für Damen und vegetarische Rezepte mit wenig Gemüse. Wenn ich denke, dass wir sonst eher über Intervalle und den nächsten Wettkampf sprechen, dann merkt man schon, das so ein Tag etwas mit einem macht. Sonnenbrand, Kreideflecken, Schlafmangel. Und so ein diffuses Gefühl von Dankbarkeit für alles. Also in erster Linie macht es glücklich. Wer nächstes Jahr dazugehören will, darf gerne Bescheid sagen!

VIGLi, 12.7.2026