Schwimmen, radeln, laufen - das ist Triathlon. Als ich mich für einen Sprint-Start an der Oste entschied träumte ich von einem verschwitzten Sommertag mit Freunden. Aber dann kam so langsam die Wahrheit ans Licht: Start um 9 Uhr klingt entspannt, bedeutet aber Abfahrt um 7 Uhr vom Quartier in Otterndorf. Und der Sommer hatte Pause. 11 Grad, der Regen rauschte. Der See war kein Thermalgewässer. Norddeutschland eben.
Es erwartete mich also erst einen Tiefkühleinheit, dann im Wind Fahrrad fahren, ehe ich endlich auf die geliebte Laufstrecke durfte. Vielleicht im Neopren radeln, eine Weste anziehen, gar eine Mütze? Der verregnete Vortag war voller Planungsideen, aber immerhin begleitete mich der Liebste zur Streckenbesichtigung. So konnte ich in aller Ruhe entdecken wie hübsch es am Bremervörder See ist. Spazierwege, Pommesbude, Skulpturen. So waren wir das erste Mal nass.
Anderntags reiste ich mit zwei Kleiderbeuteln an, man möchte ja hinterher wenigstens eine warme Jacke haben. Dann plötzlich die Nachricht: Schwimmen ist diesmal wegen der Kälte verboten, aus dem Triathlon wird ein Duathlon. Ich war also nicht die Einzige, die dieses Norddeutschland zu kalt fand.
Laufen (5 km), radeln (21 km), laufen (2,5 km) stand nun auf dem Programm.. Allenthalben sah ich enttäuschte Gesichter, während ich das Lachen nicht mehr aus dem Gesicht kriegte. Aus dem Überlebenskampf wurde eine lustige Veranstaltung. Zwar war es bis zuletzt unklar, wann und wo der Startschuss fallen sollte, aber dann – peng – war ich auf der Strecke und einfach nur vergnügt. Es regnete nicht, der See sah von außen sehr hübsch aus und die Laufstrecke war absolut idyllisch, Park- und Waldwege, Eichhörnchen an der Strecke und wunderbare Motivationsschilder: „Sei froh, dass es nicht schneit“ oder „Wenn es nicht weh tut, bist du zu langsam.“
Ich grinste vor mich hin, fand in der Wechselzone tatsächlich mein Fahrrad wieder und auf ging es. Straße, Deich, Schäfchen rechts und links, kurzer Regenschauer, der Wind nur von der Seite und freie Fahrt in die weite Landschaft. Kaum waren wir zwei Mal abgebogen, folgte wieder der Wechsel auf die Laufstrecke. Helm ab, dem Liebsten winken und Hopp hopp.
Die Sonne kam heraus, der kühle Wind tat gut und hier und da applaudierten Bekannte.
Nach anderthalb Stunden war der Spaß vorbei. Medaille, Banane, T-Shirt, After-Race-Geplänkel. Übersehene Abzweige, vergessene Helme, jeder hat sein eigenes Abenteuer gehabt. Der Liebste stand seligerweise mit der Jacke bereit und dann hatten wir bei Crêpes und Kaffee Zeit, die anderen anzufeuern, die auf längeren Distanzen auf der Strecke kämpften, während der Wind unsere Becher verwehte.
Die Staffeln durften später am Tag noch ins Wasser, schön anzusehen wie die bunten Badekappen über den Wellen leuchteten. Aber so richtig beneidet habe ich sie nicht, dazu war der Tag zu fluffig.
Die erste Frau des Sprints rannte mit 1:15:39 Std (erster Mann in 1:04:00) über die Ziellinie, ich schaffte es als 31. von 100 Frauen mit 1:31:51 Std und war damit erste meiner Altersklasse. In der W65 genügt dafür meist schon gesund im Ziel anzukommen, aber diesmal gab es auch noch Platz 2 in der Ak. Die Sonne schien, Glückwünsche allenthalben. Ein schöner Sommertag, eben doch.
VIGLi, 14. Juni 2026
