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Das erste Mal

Das erste Mal

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, das weiß jeder Hesse-Leser und jeder Triathlon-Begeisterte. Die Saison beginnt, wenn sich unser Hallen- in ein Freibad verwandelt. Dafür müssen wir selbst Hand anlegen und weil wir so viele fleißige Franks und Frankines haben, sind wir dann auch die ersten Zauberlehrlinge, die das Bad benutzen dürfen. Noch vor der offiziellen Eröffnung im Mai gibt es geheime Termine nur für uns.

Zum Beispiel morgens um 6 Uhr bei 6 Grad Außentemperatur.

Um sich darüber zu freuen, muss man ein bisschen speziell sein.

Immerhin ist es schon hell um diese Zeit, was mir für den Freibad-Start nur bedingt gefiel. Denn angesichts des Wetters, das auch immer Mal Hagel und Regen brachte, fand ich es sinnvoll gleich im Neoprenanzug ins Bad zu radeln. Das sind für mich keine zwei Kilometer, aber ich hatte doch irgendwie den Eindruck, dass ich von den Autofahrenden skeptisch gemustert wurde.

Das Schöne ist ja, dass ich erwachsen bin und niemand mehr sagt „Kind, da erkältest du dich doch.“ Kaum war ich im Bad angekommen, kam ich mir gar nicht mehr wie eine Außerirdische vor, denn die anderen Neo-Astronauten waren schon im Wasser. Das hatte immerhin 20 Grad, kleine Nebelwolken schwebten darüber. Für unsere Party brauchen wir also keine Nebelmaschine, nur einen Trainer, der am Rand stand und uns Aufgaben stellte. Eisbären-Schwimmen ist mein Favorit und diesmal konnte ich mich da auch so richtig einfühlen. In Arktis Bochum paddelte ich von Scholle zu Scholle und das Abenteuer war perfekt. Aber da ich keinen Pelz an den Füßen habe und weil man ja trotz Neo nass wird, waren meine Temperaturreserven nach 42 Minuten so weit erschöpft, dass ich lieber wieder nach Hause geradelt bin. Ohne beim Bäcker noch frische Brötchen mitzunehmen. Schließlich sah ich aus wie ein südlicher Brillenlangur und tropfte wie ein Eisbär auf Landgang. Man muss seiner Umwelt nicht alles zumuten. Leider hatte ich die Handschuhe vergessen, was soll das schon, für so ein kurzes Stück. Es führte allerdings dazu, dass mir meine Finger nicht mehr gehorchten und ich dann mit dem Hausschlüssel eine Weile erfolglos an der Tür herumklapperte. Zum Glück konnte ich mir Zutritt zu meiner Wohnung verschaffen, ehe meine Nachbarn auftauchten. Was hätte ich dann schon sagen sollen: Ich bin glücklich 😊