Familientreffen, da denken viele an Kuchenbuffet, Braten und Grillabend. Mich holte Schwester-Schatzi Freitag Mittag vom Bahnhof ab und sagte: „Was sollen wir Kaffee trinken, gehen wir doch gleich ins Schwimmbad.“ Also was heißt gehen, wir radelten, denn dank des mobilen Radlverleih (bikebringer.de) habe ich auch in München stets ein Fahrrad zur Verfügung.
Zwei Stunden später kam die andere Schwester aus Kairo angeflogen. Wir wollten der Wüstenfrau natürlich bayerische Schönheiten bieten. Also auf zum Wörthsee. Das Wüstenwetter war aber offensichtlich mit aus dem Flugzeug gestiegen. Ich schwitzte und strampelte, die anderen nahmen das Auto. Abends hatten wir den See erreicht und plauderten im kühlen Nass mit Blick auf Schiffchen und Schwäne. Sonnenuntergang dann vom Lokal aus. Danach 25 Kilometer auf dem Drahtesel durch die Dunkelheit, zum Glück brannte das Licht am Rad 1 a. Aber es war schon eine spezielle Atmosphäre auf der einsamen Radtrasse, während einige Meter weiter die Autobahn brodelte.
Am Samstag hatte ich die Verabredung mit einer Freundin zwischen die Familientreffen geschoben. Vogelpark, Kaffee trinken, viel zu erzählen. Und wieder eine neue Radstrecke. Dann warteten Tante und Onkel in der Innenstadt, sie wollten mit ihren 96 Jahren schließlich gerne ein bisschen Trubel erleben. Mit Blick auf das Navigationsgerät düste ich mit dem Zweirad zielsicher durch den Verkehr. Pfifferlinge und Gespräche, im Sonnenuntergang zurück zum Hotel.
Der Sonntag war wegen einer Krankenhausaufnahme voller Ungewissheiten. Spontan wanderte ich mit der Wüstenschwester zum Fluss, der Neffe schrieb, dass er erst nachts landen würde. Es war noch eine Party in Cambridge zu feiern und außerdem hatte sich gerade wieder etwas im Fahrplan geändert. Was soll es, wir sind doch alle flexibel, was bleibt uns auch anderes übrig.
Der Montag begann mit einem Regenbogen und ging genauso bunt weiter. Ich beschloss zum Fluss-Bad zu rennen, ehe sich die Familie sortiert hatte und die Sonne wieder knallte. Schließlich kristallisierte sich Dachau als perfekter Treffpunkt heraus, da konnte ich immerhin wieder am Fluss radeln. Wir spazierten dort noch ein wenig durch die pralle Mittagssonne, ehe wir uns kurz zur Kaffee-Pause niederließen, der Neffe war mittlerweile auch dabei. Zwei Eiskugeln später riefen schon wieder die nächsten Programmpunkte hier und da. Ich pedalierte zurück zu meinen Koffern, die unterdessen mit Mitbringseln überladen waren.
In Summe stehen 172 Kilometer auf dem Fahrradtacho, 22 Laufkilometer, 1,5 Kilometer Schwimmen und dann noch ein bisschen wandern. So ist das in unserer Familie, wenn Heimat kein Ort ist, sondern ein Zuneigungsnetz.
VIGLi, 10.8.2026
