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Rund um alles

Rund um alles

„Hast du Lust auf einen 50er?“, fragte Sahir. „Ja“, antwortete ich.

So nahm das Wochenende seinen Lauf im wahrsten Sinn des Wortes. Meine Freundin, die wilde Ilse, lief gerade einen schwierigen Trail in den Bergen, da konnte ich schließlich nicht in Bochum auf der Couch bleiben. Mentale Begleitung nennt sich das.

Sahir und ich überlegten nicht lange, ich wollte zur Glörtalsperre, weil es sich dort schön schwimmen lässt. Und Sahir stellte einen Track zusammen. Rund um Schalksmühle zunächst. Dann dachte er, das ist zu kurz, also gab es noch einen Prolog rund um die Glörtalsperre. Und zuletzt war es auch ein wenig rund um Halver oder Lüdenscheid. In jedem Fall sieben Hügel rauf und wieder runter. Am Schluss hatten wir 51,75 Kilometer und 1313 Höhenmeter auf der Uhr.

Aber das sagt wenig über diesen wunderbaren Tag mit einer Brise Abenteuer. Der Track war nämlich manchmal weg, nicht auf dem Handy, sondern in Realität. Es ging bergab, wurde steiler und steiler und gerade als wir dachten, hier geht es ganz gut: Brombeerhecken! Wir spielten also Fakir und bahnten uns den Pfad mit einer Ast-Machete. Es war dann aber doch sinnlos, weil bald danach Baumstämme über dem Weg lagen. Da kamen wir auch mit Machete nicht weiter. Also zurück, bergauf.

Nach so einem Exkurs ist es wunderbar ein Stück Asphalt auf der Straße zu laufen, das weiß man dann erst so richtig zu schätzen. Und überhaupt haben wir im Wald auch Menschen gesehen, die nicht da waren und eine Kirche als Fata Morgana. „Das passiert, wenn man zu lange im Wald ist“, meinte Sahir. Aber wir haben auch mehrfach ganz wirklich Rehe gesehen, Schmetterlinge und sogar eine Blindschleiche. Wunderbare Gegend, überall Bäche und Bäume.

Nach 30 Kilometern hätte ich vor allem gerne eine Tankstelle gesehen, denn mein Liter Getränk war verbraucht. Wir fanden aber nur eine Ölmühle, die schon seit 1923 nicht mehr in Betrieb war. Als wir dann ein paar Häuser erreichten und ich einen Menschen im Garten erblickte, rief ich schnell: „Können wir bei ihnen Leitungswasser bekommen?“ Konnten wir. Und nett unterhalten haben wir uns auch noch. Sie planten gerade einen 30-Kilomter-Marsch und hatten Verständnis für zwei verschwitzte, durstige Gestalten. Danach waren wir quasi wie neu und bereit für die nächsten Brombeerhecken und Gipfel. Die Sonne wurde wärmer, die Beine müder, dafür der Ausblick immer schöner. Grüne Hügel, die Heide blühte, Ginster säumte die Wege, wundersame Welt. Nochmal bergauf, bergab, dann tauchte die Glörtalsperre wieder auf und wir konnten unsere verschwitzten Körper vom kühlen Wasser tragen lassen.

Der Kiosk am See war dann unser persönliches Schlaraffenland als Abschluss: Pommes, Eis, Kaffee, Schorle. Liegestuhl und Blick auf den See. Meine Freundin war da schon lange gesund im Ziel. Also ein rundum gelungener Tag!

VIGLi, 1. August 2026